Es war einmal ein ca. 2m langes Schuhregal. Holz, Schrauben,
roter Lack. Ein bisschen Stückwerk, ein bisschen Werk am ganzen Stück. Das
Regal befand sich eines Tages in meinen Händen und ich sollte daraus ein
kleines für unseren Eingang machen.
Das Haus hat zwei Eingänge. Wie in skandinavischen Häusern
üblich, steht man erst mal in einem Vorraum, in dem Schuhe, Jacken, Mützen,
Stirnlampen, etc. leben. Der Eingang ist nicht sehr groß und ein Schuhregal
würde für ein bisschen Ordnung sorgen und bei nassem Wetter/Schnee den Boden trocken
halten, bzw. wenn nachts die Schuhe aufgeräumt sind, kann der Boden wieder
trocknen.
In dem Eingang befindet sich auch die work bench, mit dem
ganzen Kruscht, den man zum handwerkeln braucht. Schrauben, Nägel, Schraubenzieher,
elektrische Geräte und deren Zubehör, Bleistifte, Maßbänder, Hammer,
Schraubzwingen, Winkel, unterschiedliche Sägen für Holz und Metall, Handschuhe,
Schutzbrillen, Gehörschutz, etc. Diese Werkbank nimmt nun die Hälfte des Raumes
ein und wird mit zwei Türen geschlossen. An den Türen sind Haken, um Jacken,
Einkaufstaschen, etc. aufzuhängen. Die linke der beiden Türen musste also
berücksichtigt werden. Wie hoch darf es denn sein, das Regal? Wie viel Paar
Schuhe? Wie weit kann das Regal in die Eingangstür und in den Raum hineinreichen?
Wie lang ist eigentlich so ein durchschnittlicher Schuh? Ein Schuh muss ja auch
nicht ganz auf so einem Brett stehen, zwei-drittel reichen da allemal. Stiefel
kann man auch mit dem Schaft zur Wand hin hinstellen, was dann auch gemacht
wurde. Die Bodenleiste bitte auch berücksichtigen. Die Tiefe des Türrahmens war
auch so ein Faktor. Und habe ich schon erwähnt, dass das Haus 100 Jahre alt ist
und einiges an Charakter vorzuweisen hat?
Bei der Unterlage für das Brennholz im Gästeeingang hat mich
das Haus ein bisschen genarrt. Mit meiner deutschen Herangehensweise kam ich irgendwann
an einen Punkt, an dem ich mir verarscht vorkam. Aber es war wohl auch
mangelnde Erfahrung mit solchen Dingen im allgemeinen geschuldet. X-mal
gemessen, x-mal nachgebessert und es wollte einfach nicht passen. Aber ich kam
dem ganzen auf die Schliche: der Raum ist schräg. Wird nach oben hin weiter.
Mit dem bloßen Auge nicht wahrzunehmen und da ich, Held der Arbeit, beim Messen
dann wohl doch nicht so Deutsch war, Maße an unterschiedlichen Stellen nehmen,
um nur eins zu nennen. Grins. Markierungen für das Maßnehmen wollte ich nicht
machen, weil die Wände neu gestrichen waren. Dummdidummdidumm. Elena musste
lachen, als ich, dem Eingang, bzw. dem Haus „character“ beschied. Sie wusste
wohl um die Schrägheit des Hauses nur in Teilen. Nun ja. Die Erfahrung mahnte
mich zu mehr Sorgfalt beim Messen.
Das alte lange Schuhregal war schnell demontiert, die
Schrauben sorgfältig zur Seite gelegt, die Planken gewählt und
zurechtgeschnitten. Nun sah ich, dass die Planken unterschiedlich dick waren,
aber ich wollte diese Planken unbedingt verwenden, weil sie so schön rot waren
und daher sehr gut in den Eingang passen
würden, welcher in einem schönen kräftigen Rot gestrichen ist. Ein Regal in
Tarnfarbe, sozusagen. Die dickeren Planken hatten mehr Macken als die dünneren.
Also sollten die nach hinten. Als Seitenteile konnte ich von dem alten Regal
leider nichts verwenden. Im Bootshaus fand ich weiße Bretter, die ich gut
zurechtschneiden konnte und auch von der Dicke her passten. Das mit dem Weiß war
mir erst mal egal; könne man ja später abschleifen und rot anpinseln. Als ich
das Grundmaterial beisammen hatte nahm ich noch mal Maß, diesmal mit mehr
Sorgfalt und die Bretter kamen mit.
Werkbanktür, Tiefe Türrahmen (die Ecken der
Planken sollten abgerundet werden, tut dem Schienbein beim Anstoßen weniger
weh), allgemeine Tiefe, Bodenleisten, Höhe (wie hoch ist der höchste Stiefel,
Achtung: Konflikt mit den Stirnlampenhängeplätzen), Höhe der Fächer, Länge inkl.
Seitenteile (hier dann bitte auch das Abrunden der Ecken beachten und die
Werkbanktür, gell?) und … ja, das waren glaube ich so die wichtigsten
Gedankengänge. Ja, da geht schon ein bisschen Zeit ins Land. Das schöne dort
ist, dass man ganz einfach die Zeit dafür hat und bekommt. Nur ned hudle. Aber
wenn man fertig ist, sollte es auch passen.
Da stand ich dann also im basement an dem großen Tisch mit
dem ganzen Zubehör und fing an, das Teil zusammenzusetzen. Markierungen
zeichnen, sägen, schleifen, schrauben und immer wieder nachmessen.* Rocco
fragte hin und wieder „how´s it going?“ „Not too bad.“
Und siehe da, da stand es plötzlich vor mir. Tja… erst mal Stille. Und dann entlockte mir das Ergebnis einen sarkastischen Lacher. It´s a disease. Das machen die im Kindergarten besser. Waren so meine Gedanken. Rocco war gerade mit dem Brennholz hinten im basement beschäftigt und ich zeigte ihm das Ergebnis. Er zeigte die gleiche Reaktion wie ich. Einen sarkastischen Lacher. „It´s a disease.“ sagte ich. „What is „disease“?“ fragte er. Nun lernte er ein neues Wort und auch wann man es anwenden kann. Also hat das kleine Schuhregal schon mal einen guten Zweck erfüllt. Wir machten dann Mittag und Elena fragte, wie es mit dem Regal gehen würde. Rocco und ich lachten und ich versuchte, das Ergebnis zu beschreiben und wir lachten noch mehr. „I´ll put it up after lunch…“
Und siehe da, da stand es plötzlich vor mir. Tja… erst mal Stille. Und dann entlockte mir das Ergebnis einen sarkastischen Lacher. It´s a disease. Das machen die im Kindergarten besser. Waren so meine Gedanken. Rocco war gerade mit dem Brennholz hinten im basement beschäftigt und ich zeigte ihm das Ergebnis. Er zeigte die gleiche Reaktion wie ich. Einen sarkastischen Lacher. „It´s a disease.“ sagte ich. „What is „disease“?“ fragte er. Nun lernte er ein neues Wort und auch wann man es anwenden kann. Also hat das kleine Schuhregal schon mal einen guten Zweck erfüllt. Wir machten dann Mittag und Elena fragte, wie es mit dem Regal gehen würde. Rocco und ich lachten und ich versuchte, das Ergebnis zu beschreiben und wir lachten noch mehr. „I´ll put it up after lunch…“
Fast beschämt ging ich das Regal holen und stellte es hin.
Zack. Jeglicher Sarkasmus verschwand. Was war hier vorher gestanden? Wie? Da
stand nicht dieses Regal? Ne, du täuscht dich. Das stand doch schon immer da. Nein,
da war vorher nichts gestanden. Rocco zog die Augenbrauen hoch, lachte und
schüttelte den Kopf. „Amazing.“ Elena war begeistert „It´s perfect!“
Ich hoffe,
dass das Regal ein paar Monate, wenn nicht sogar Jahre überlebt und erhalten
bleibt. In dem Haus ändern sich die Dinge oft sehr schnell und dann mitunter radikal.
Das kleine Regal zeigte mir, dass Dinge (und wir Menschen) ihren Platz haben, einen Kontext. Das Drumherum ergänzt das Ding
und das Ding ergänzt das Drumherum. Keine neue Erkenntnis, aber wieder einmal
spielte die Banalität ihren Trumpf aus. Zack. It´s as simple as that.
In diesem
Sinne.
Gehabt euch wohl.
*Beim Schreiben fällt mir jetzt wegen der unterschiedlichen Dicke ein: die hätte ich durchaus kaschieren können. Einfach die Oberseiten auf gleiche Höhe bringen, so dass die Unterschiede an die Unterseite der Fächer durchgereicht wird. (mentale Notiz gemacht)
P.S.: ein Bild wollte ich anfügen. Musste es ein bisschen bearbeiten und hatte das Anfügen dann völlig vergessen. Das Bild zeigt den Eingangsbereich, wie ich ihn von meinem Zimmer aus gesehen habe. :o)
*Beim Schreiben fällt mir jetzt wegen der unterschiedlichen Dicke ein: die hätte ich durchaus kaschieren können. Einfach die Oberseiten auf gleiche Höhe bringen, so dass die Unterschiede an die Unterseite der Fächer durchgereicht wird. (mentale Notiz gemacht)
P.S.: ein Bild wollte ich anfügen. Musste es ein bisschen bearbeiten und hatte das Anfügen dann völlig vergessen. Das Bild zeigt den Eingangsbereich, wie ich ihn von meinem Zimmer aus gesehen habe. :o)

HeHe, schön beschrieben, was einem so alles durch den Kopf gehen muss bzw. darf, wenn man mal Zeit dafür hat.
AntwortenLöschenHoffe, man sieht das Werk auch auf dem einen oder anderen Bild...
LG vom Niederrhein
GS
Hi an den Niederrhein,
Löschenja, gell?
Tja, ein Bild mit Regal gibt es. Ich versuche es einzufügen. War so mit der Bearbeitung beschäftigt, musste da ein bisschen aufhellen...
Grüßle
S