Montag, 16. Februar 2015

März 2014 - Dann fahr ich halt zum Schnee #05

Recht zufrieden ging ich zur Herberge zurück. Traf auf dem Weg einen dieser Touristen, die, wenn man sich die Schuhe anschaut, nicht so recht wissen, wo sie da eigentlich im Winter hinfahren. Der Turnschuh-bestückte junge Mann wollte zu dem teils gefrorenen Fluss herunter klettern. Es geht ein paar Felsstufen runter, die recht vereist sind. Zum Festhalten gibt es ein paar Seile. Runter kommen se ja alle, nur könnten ihm seine Schuhe beim Hochkraxeln den Spaß endgültig verderben. Ich nahm mir die Frechheit, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Er sah etwas enttäuscht aus, schien es aber einzusehen. Die Verständigung war etwas holprig. Keine Ahnung was er dann machte, ich bin weiter gegangen.

Um den Spaziergang nicht abrupt enden zu lassen, sah ich mich noch ein bisschen bei der Schlittenhundeanlage und dem Hinterhof der JuHe um. Ein paar winterliche Impressionen auf den Chip gebannt und dann hatte ich genug von der frischen Luft. Rein ins Warme und Gewusel. Die winterliche Stille vermisse ich Winter um Winter. Unsere Welt ist zu laut und grell. Finde ich. Nun ja; is halt so.

Im Zimmer waren die jungen Menschen dabei, letzte Vorbereitungen für ihre Tour zum Kebnekaise zu treffen, am nächsten Tag sollte es losgehen. Nun konnte ich mich auch für sie freuen. Ich nahm mir für den nächsten Tag erstmal gar nichts vor. Vielleicht ein Spaziergang zum und auf dem Torneträsk? Vielleicht sogar mit den Ski? So ein gefrorener See ist ja auch was schönes.

Da war er dann der nächste Tag. Ein Samstag und das Gewusel in und an der JuHe war noch mal größer. Auch die Schweden wollen Langlaufen oder der Abfahrt frönen. Es gibt ja in der Nähe einen Lift, etc.

Und.

Es hatte über Nacht ordentlich geschneit. Schöner fluffiger Schnee. So ca. 10cm. Welch Freude. Nach dem Frühstück nahm ich ohne groß zu überlegen und wie selbstverständlich die Ski und ging los. In der Tasche den groben Plan einer kleinen Runde, die auch für Anfänger geeignet ist und gleichmäßig dahin geht, sprich, keine Mulden.

Und zack. Wunderbar. Die Ski und ich liefen, zuerst etwas unsicher und wackelig der noch nicht gespurten Loipe entlang. Vor mir waren mind. zwei Leute unterwegs und ich nutzte teilweise ihre Spuren.

Die ersten Meter gingen eben dahin. Immer schön geradeaus, hin und wieder mal ein bisschen bergauf und hinab. Nach dem ersten, für mich ernsthafen, Hinab entlud sich meine Enttäuschung des Vorvortages endgültig. Freudentränen im Schnee. Herz erwärmend, erleichternd. Ein Genuß. Ja. So ist das. Ein Genuß, das Herz wird leicht, meine kleine Welt ist in wieder Ordnung.

Der Weg verging dann wie im Rausch. Immer wieder gab es kleine giftige Anstiege, die ich teils sogar im Skatingschritt bewältigte. Den einen oder anderen Ausrutscher oder Wackler gab es, die wusste ich nun aber zu nehmen und wenn mir ein Anstieg zu steil oder anstrengend erschien, nahm ich die Ski kurzerhand ab und ging zu Fuß weiter. So gelang ich nach und nach aus dem Wald heraus und hatte bald einen prima Blick auf die Berge und das berühmte Lappentor. Das Wetter war ruhig. Kann sein, dass es ein bisschen geschneit hat.

Vor mir sah ich zwei weitere Skiwanderer. Zwei schwarze Punkte, die sich langsam ihren Weg bahnten. Ich stand nun an einer Kreuzung, entweder geht´s nun auf dem Rundweg zurück zum Ausgangspunkt oder ich folge den beiden schwarzen Punkten weiter hinauf. Die Entscheidung war schnell gefällt: naürlich fahre ich weiter. Der Weg führt zu einem See an dessen Ufer eine Selbstversorgerhütte liegt, die auch im Winter geöffnet ist. Das wäre natürlich was. Aber erstmal weiter fahren, wer weiß was da noch so alles kommt.

Stetig ohne nennenswerte Anstiege ging es nun voran. Die Landschaft änderte sich nun von wenig Bäume bis quasi gar keine Bäume. Die Spur hielt sich nun an den Wintermarkierungen, hin und wieder hat jemand die sanfte Abfahrt für etwas off-road skiing genutzt. Die schwarzen Punkte vor mir hatten nun an einem Schild halt gemacht; einer weiteren Kreuzung kurz vor einer weißen Ebene, das musste der See sein, an dessen Ende die Hütte liegt; hier endete auch die Spur, bzw. es war zumindest heute noch niemand über die Kreuzung hinaus gefahren. An die km-Angabe auf dem Wegweiser erinner ich mich nicht, es schien jedoch für mich für den Tag zu weit. Kurze Zeit später kam ein weiteres Paar und fuhr nach einem kurzen Zunicken weiter Richtung Hütte. Sie hatten gut gefüllte Rucksäcke und Isomatten dabei. Hach... ein wenig wehmütig wurde mir schon, aber so ist das halt. Winterträume dieser Art muß ich noch lange hegen unf pflegen bis es dann einmal so weit ist. Gesund muß man halt sein; ja und auch das liebe Geld...

Ich sprach die beiden schwarzen Punkte an. Ein Ehepaar aus Kiruna, ihr wöchentliches Langlaufvergnügen. Keine Sportskanonen, aber sie haben trotzdem Freude dran. So muss das! Sie fragten mich, ob ich ein Bild von ihnen vor dem Schild machen könnte. Klar! Ein, zwei Bilder mit dem Handy und der richtigen Knipse.

Mir wurde nun etwas kühl und ich verabschiedete mich. Es zog langsam zu und bei mir stellte sich auch eine gewisse Müdigkeit ein. Ein Schluck aus der Trinkflasche und dann ab. Die Wärme kam schnell zurück und ich war richtig frohen Mutes. Ein herrlicher Tag. Die off-road Spuren haben mich ja schon auf dem Hinweg angelacht und tatsächlich, ich wagte mich, zwei, drei, vier große Bögen durch den Tiefschnee zu ziehen.

Nach einer weiteren kurzen Pause (die Sonne war wieder rausgekommen) kam ich wieder zum Rundweg. Eigentlich wollte ich ja den Weg zurücknehmen, den ich gekommen war. Schließlich wusste ich was kommt. Nach den ersten Meter hielt ich jedoch an: warum wird auf der Karte eine gewisse Richtung empfohlen? Mmmmh... so wie ich "die Skandinavier kenne" hat das einen Grund.

Und Tatsache:

Der Grund flog als bald an mir vorbei, bzw. ich flog ihn hinab. Eine lange (also für mich lange) Abfahrt folgte der anderen, hin und wieder ein flaches Stück. Wow!! Die Ski liefen und meine Angst lief hinterher, hab ihr kurzerhand die Zunge ausgestreckt und sie abgehängt. Tja und plötzlich war ich am Einstieg der Tour. Wow. Die zunehmende Kälte hätte mir fast das Grinsen eingefroren.

Ich lief bis zur Bahnunterführung (hier beginnt oder endet der Kungsleden), schnallte die Ski ab und ging zur Herberge. Völlig erfüllt und glücklich. Das war definitiv einer der top Tage 2014.

Den Abend ließ ich mit einer Dusche, etwas kochen, Tee trinken und einem kleinen Spaziergang ums Haus, etc. ausklingen.

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