Dienstag, 6. Januar 2015

März 2014 - Dann fahr ich halt zum Schnee #01


Meine Sehnsucht nach dem Schnee brachte mich auf die Idee nach Finland zu fahren/fliegen, um mal zu schauen, wie es da so ist.

Ein Gebiet war schnell gefunden. Kontakt mit der örtlichen Tourinfo aufgenommen. Wie es denn so auf der Bärenrunde mit den Hütten, dem Weg an sich im Winter, auch für Anfänger, die aber Wintererfahrung im Norden aufweisen, bestellt sei. Die postwendende Antwort: sorry, we have no snow this year. Please observe the weather forecast.
Bäng.
Ein bisschen gewartet, die finnischen, norwegischen und schwedischen Wetterberichte beobachtet. Ne, das wird nichts. Teilweise sogar Regen und Temperaturen um die 10°C. Ne, so´n Winter haben wir hier auch. Ein paar E-Mails gingen noch hin und her: ganz im Norden sehe es besser aus, aber mir wurde die Zeit bzgl. Vorbereitung zu knapp. Auch eine Nachbarin, die Finnin ist, sagte, der Winter sei in Finland heuer sehr traurig. Ihr Bruder bietet Skitouren, etc. an und die Ostsee sei noch nicht mal gefroren.
Und nun? Mist. Humpf. Blöd. Dreck.
Island?
Noch unsicherer in Sachen Schnee und ich möcht hin und wieder doch mal woanders hin.
Ich jammerte ein bisschen auf Facebook über mein Luxusproblem und ein Bekannter schrieb von seinem Trip an den Kungsleden.
Aha!
Dat kenn ich, da war ich mal.
Schneehöhen und Temperaturen und Webcams um Abisko herum gechecket. Prima. Sieht gut aus.
Also: eine Pulka gebastelt, das Auto war gerade in der Werkstatt, die Reifen so gut wie neu. Strecke gecheckt, ca. 3.000km one-way. Easy. *G* Nun kam ich doch noch zu meiner Autoreise in den Norden im Winter. Ende 2012 hatte ich schon damit geliebäugelt, mich dann aber für etwas wie Litloy entschieden.

Und wie praktisch: Hamburg tat sich als adequater Zwischenstop auf.
 Der Glubb spielte beim HSV. Diana und ich bestellten Karten. Sie eine Unterkunft über 9flats (oder so - hatte sich in Berlin sehr bewehrt). Abholung Diana in Bamberg und dann im Wechsel hochgefahren. Das Spiel war scheiße; der white Russian lecker.

Die Fahrt nach Abisko ging gut. Drei Tage hat´s gedauert. Zwei Nächte unterwegs. 1x Gästezimmer in einer Ferienwohnung und 1x irgendwo im Auto in der Nähe von Luleå auf einem Parkplatz mit beheiztem Santiärhaus. Es war meine kälteste Nacht überhaupt bisher. Beide Schlafsäcke, drei Paar Socken, Handschuhe, Schal, Mütze. Wenn mir warm war, lag/saß ich unbequem. Geschlafen? Ja. Denke schon?!

Das "Aufwachen" war unbezahlbar. Ich stand fast direkt am westlichen Ufer der Ostsee und die Morgensonne schickte ihre winterlichen Strahlen über die Ostsee. Pristine! Türen, Fenster, nichts eingefroren, Motor = alles bestens.

Später in Abisko sagte man, dass in der Nacht bei denen das Thermomenter um die -30°C anzeigte. Dann könnten es bei mir so -25°C gewesen sein.

Die Fahrt nach Abisko zog sich dann - auch wegen meinen vielen Kaffeepausen. Eine Pause legte ich in einem verschlafen wirkenden Dorf etwas abseits der E10 ein. Kuchen und Kaffe. Sonne und Schnee. Ein paar Bewohner trafen sich in dem Kaffee. Die Stimmen im Hintergrund waren angenehm. Es war ruhig. Tja... hier lebt es sich mitunter anders als in unseren Gefilden, zumindest in der Stadt. Ob hier im Sommer viele Fremde Halt machen?

Die Fahrt durch die karger werdende Landschaft war schön. Der Verkehr hatte abgenommen und die großen LKWs, vor denen ich Respekt habe, benahmen sich alle recht gut. Anständiges Überholen, etc.

In Norwegen und Schweden beträgt die Höchstgeschwindigkeit auf den Landstraßen 80km/h. Die Autobahnen gehen bis 100 oder 110km/h. Hat alles seinen Sinn und Zweck. Der aufgeschobene Schnee an den Seiten eignet sich z.B. als hervorragende Tarnung für die Rentiere. Die sind oft nicht viel größer als die Schneehaufen und durch ihr graues Fell sind sie von den Schneehaufen oft nur schwer zu unterscheiden.

Das Wetter war hervorragend. Sonne, fast klarer Himmel, klare Luft. Temperaturen? Keine Ahnung. Kalt, aber durch die trockene Luft ist es eine angenehme Kälte.

In Abisko war´s dann mit der Ruhe vorbei. In der Jugendherberge, bzw. der Herberge des schwedischen Wandervereines Svenska Turistförenigen (STF), stept an 365 Tagen im Jahr der Bär. Der Norden ist schickt und wird immer beliebter. Zeichen unserer Zeit: der Mensch sehnt sich nach Ruhe, Weite, Natur und Wildnis. Gibt´s alles im Norden. Auch wenn einiges davon unter Pseudo-Ruhe, Pseudo-Wildnis, Pseude-Natur fällt. In Island, z.B. richtet sich der Tourismus zunehmend an den US Amerikanischen Markt und meine Befürchtungen gehen in Richtung bubblegum tourism. Aber darauf gehe ich jetzt nicht näher ein, sonst ist meine Laune futsch.

Da war ich nun in Abikso. Bezog erstmal für zwei Nächte ein Zimmer, trat dem STF bei (damit dem Jugendherbergsverband weltweit, da könnte sich der DAV ne Scheibe von abschneiden...) und versuchte zu schlafen.




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